XXX. Wacken Open Air 2019

Die Kurzfassung des Berichts über das WOA 2019 lautet: Anreise am Mittwoch, Bier, Minttu, Geballer! Abreise Sonntag! (Großartig! Danke Jana!!) Wer jetzt noch Interesse an einer etwas ausführlicheren Darstellung der Geschehnisse hat möge weiterlesen. Aber Achtung, der folgende Text ist echt verdammt lang. Außerdem kann er noch ein paar Fehler enthalten, weil ich keinen Bock mehr hatte ihn Korrektur zu lesen, denn der Text ist so verdammt lang! Wer Lust hat mir seine eigenen WOA Erfahrungen zu schildern, den Text zu loben und mich zum feiern einladen will, darf dies gern in den Kommentaren unten tun! Viel Spaß!

1990 veranstalteten die beiden Organisatoren das erste Hard-Rock und Heavy Metal Open Air auf einer Koppel nahe des kleinen Dorfes Wacken in Schleswig-Holstein. Bis heute ist das Festival zu einem der größten weltweit gewachsen und gilt in Metal-Kreisen als Mekka dieser Szene. Nicht wenige Fans fallen auf die Knie, wenn sie in der ersten Augustwoche auf das Bühnengelände kommen und küssen den „Holy Ground“. Jahr für Jahr wird dieser „Holy Ground“ und die ihn umgebenden Koppeln, Felder und Wiesen, die als Campinganlage für die 75.000 „Metalheads“ dienen, für eine Woche zur drittgrößten Stadt Schleswig-Holsteins!

Nachdem ich 2001 mein erstes Mal das Wacken Open Air besucht habe, war es in diesem Jahr – nach einigen Unterbrechungen – meine 9. Reise zu diesem Event. In dieser Zeit hat sich das Open Air sehr verändert, Programm, Besucherzahlen und das ganze drum herum ist um ein Vielfaches angewachsen. Dies ist auch einer der Kritikpunkte, die man häufig hört. Ein anderer ist der Ticketpreis, der in diesem Jahr bei 220€ lag. 2001 musste man für die Eintrittskarte noch 99 DM bezahlen. Abgesehen davon, dass ohnehin in 18 Jahren alles natürlicherweise teurer wird, bekommt man für den Eintrittspreis heute aber auch ein hervorragend durchorganisiertes Festival, Toiletten (viele davon mit Spülung) und Duschen ohne Aufpreis, einen Supermarkt mit normalen Preisen und ein Musikprogramm, was keine, aber auch gar keine Wünsche offen lässt. Jedermal aufs Neue bin ich beeindruckt von der tontechnischen Meisterleistung, die beim WOA vollbracht wird. Egal wo man vor einer Bühne steht, es gibt immer perfekten Sound und die Probleme oder Ausfälle, die man als Fan tatsächlich mitbekommt, sind sehr selten.

Nachdem ich im letzten Jahr „nur“ dem Dorf einen Besuch abgestattet hatte, auch dort ist eine unfassbare Metal-Volksfeststimmung über die Jahre entstanden, hat mich der Wacken-Virus wieder infiziert und ich kaufte früh das Ticket für 2019. Ich ging davon aus, dass das Festival zum 30-jährigen Jubiläum ein „must-see“ sein dürfte.

Ein Zusammenschnitt meiner Erlebnisse beim Wacken Open Air 2019
Bilder/ Videos: Oliver Augustin, privat – Musik: Skyline – 30 Years Ago

Also war es am Mittwoch, den 31.7. für mich Zeit zur Anreise. Ich war kurz vor Wacken mit einer Gruppe verabredet, die mich als Mitcamper aufgenommen haben, da meine üblichen Festival-Mitstreiter*innen in diesem Jahr entweder nicht nach Wacken kamen oder in verschiedenen anderen Konstellationen vor Ort lagerten. Dies, der durchaus kräftige Regen, der gegen 6:00Uhr einsetze und bis etwa 7:30Uhr anhielt und ein uns nach der Ankunft zugewiesener Campingplatz am hinterletzten Rand des Geländes lösten in mir leichte Skepsis aus, ob meine Erwartungen an das Wochenende nicht doch zu hoch gewesen sein sollten.

Doch es kam alles ganz anders.

Nach gemeinsamem Aufbau des großen Gruppenzelts schmeckte das erste Bier auf dem Weg zur Bändchenausgabe und anschließend zur ersten Band bereits hervorragend. Das Wetter war ebenfalls in Richtung Sommer gekippt, es gab kaum Wartezeiten an der Ausgabe, alles perfekt. Im riesigen Zelt, welches schon seit 2012 die Headbangers- und die W.E.T. („Wacken Evolution Tent“, ein Relikt aus fernen Zeiten)-Stage beherbergt, spielte als für uns erste Band Burning Witches. Die rockenden Mädels waren sowohl schön anzuhören als auch zu -sehen und machten definitiv Bock auf mehr!

Burning Witches auf der W.E.T. Stage

Dank der offiziellen Wacken-App mit Navigationsfunktion, dem fast flächendeckenden Mobilfunkempfang und einer gehörigen Portion Zufall fand ich dann auch recht schnell alte und neue Freunde, mit denen der Rest des ersten Tages eskalierte. Auch die zwischenzeitliche Programmunterbrechung aufgrund einer Unwetterwarnung tat der Stimmung keinen Abbruch. Das Unwetter verfehlte Wacken im Übrigen, sodass es einfach nur eine Weile regnete. Einziger Wermutstropfen dieses Tages war, dass ich meine lieben Freunde zum Warten auf eine Feuershow genötigt habe, die am erhofften Ort leider nie stattfand.

Am folgenden Donnerstag stand auch schon das erste Highlight an. 13:45Uhr und Bloodywood aus Indien rissen mit ihrem rhythmischen und eingängig groovenden Sound die W.E.T. Stage ab und die Menge davor tobte! Wahnsinn! Nach dem letzten Stück inklusive einer Ansage „pro diversity“ wurde die Band zurecht frenetisch abgefeiert.

Bloodywood

Im Anschluss ging es dann zum ersten Mal auf den eigentlichen „Holy Ground“, das Gelände vor den drei Hauptbühnen. Vor der kleineren der drei versammelten sich etliche Fans, um Versengold zu hören. Alle Songs, darunter das neue „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“ und das emotionale „Haut mir kein‘ Stein“, wurden abgefeiert. Dann hieß es wieder zurück Richtung Wackinger Stage, denn dort kreiste die Harpyie. Druckvoll schallte zum Beispiel „Seemann Ahoi“ von der Bühne – da durfte ich natürlich nicht fehlen!

Harpyie

Da allen nun so langsam der Magen auf Höhe der Kniekehlen hing und das Stehen in sengender Sonne auch Tribut forderte, waren wir froh über eine kleine Verschaufpause. Edle 6€-Pommes, ein paar Becher Leitungswasser und SITZEN waren daher angesagt, bis Skáld die Wackinger Bühne betraten. Die Gruppe, die erstmalig in Wacken zu Gast war, war sichtlich überwältigt ob der vielen Menschen vor der Bühne und saugte die Energie dieser Masse auf wie ein Schwamm. Zurück kam ein tolles Set sehr ursprünglicher nordischer Klänge. Ganz besonders der Drummer schien seinen Spaß zu haben, flog er doch einem Flummi gleich zwischen seinen verschiedenen Trommeln hin und her.

Skáld

Mit vollem Bauch bewegten wir uns nach Skáld ein paar Schritte zur Wasteland Stage herüber, wo Stoneman gerade rammsteinartiges von der Bühne ballerte. Im Schatten konnte dann zum Beispiel „Mord ist Kunst“ genossen werden. Dann hieß es auf zu Hammerfall, die auf der großen Harder-Stage spielten. Bereits auf meinem allerersten WOA habe ich diese Band gesehen, deren erste CDs ich mir damals noch aus der Kieler Stadtbücherei ausgeliehen habe. Ein nostalgischer Pflichttermin also! Wir waren aber nicht die Einzigen, die so dachten, also war das Gelände doch schon sehr voll. Gepaart mit einem kurzen Anfall allgemeiner Müdigkeit kehren wir zurück zum Camp (ich natürlich nur als Schmarotzer, denn „mein“ Camp lag ja am Ende der Welt!), um uns dort kurz zu erfrischen und dann neu anzugreifen. Der Weg führte uns dann über den wie immer soliden und spaßigen Auftritt von Fiddler’s Green auf der Wackinger Stage zum hintersten Ende des „Holy Ground“. Wir entschieden uns gegen das Gewühl und dafür, Sabaton, die sowohl die Faster-, als auch die Harder-Stage bespielten, von hier hinten zu betrachten.

Fiddler’s Green

Im Nachhinein war das keine so schlechte Idee, denn einerseits konnte man das Lichterspiel gut sehen und darüber hinaus war es, mehrere 100 Meter von den Bühnen entfernt immer noch irre laut. Allerdings war bis zuletzt unklar, was sich da vorne in Bezug auf Bühnenshow abspielte. Mir tat es aber dennoch nicht weh, denn Sabaton habe ich schon so oft auf dem WOA und auf anderen Festivals gesehen, dass ich nicht das Gefühl hatte etwas zu verpassen. Es war ein fettes Konzert und absolut Headliner-würdig. Allerdings beeindruckte es mich 2015 ungleich mehr, als Savatage/ Trans Siberian Orchestra erstmalig eine Show über beide großen Hauptbühnen abfeuerte.

Sabaton

Insgesamt habe ich wenige so volle Festivaltage wie diesen erlebt. Aber es war alle Anstrengung wert, da die besuchten Bands alle tolle Sets gespielt haben. So schleppten wir uns glückseelig zum Camp auf noch ein oder zwei Absackerbierchen zurück. Für mich ging es dann danach auf den obligatorischen Nachtspaziergang, der mich in ca. 20 Minuten zu meinem Schlafplatz im Outback führte. Auf dem Weg lernte ich noch einen sehr verwirrten Eisbären namens Luca kennen, dem ich gern den Weg zum richten Zeltplatz wies (der Glückliche lebte wohl auf Platz „U“ und hatte keine Ahnung, als er rumnölte, wie weit das doch weg sei!). Schlafen!!

Das nächste Festival Highlight tat sich zu, noch bevor ich am Freitag den Schlaf-Bulli verlassen habe. Ich habe mir noch NIE auf einem Festival den Wecker gestellt! Heute war es soweit. Irgendein Jeck hat sowohl Jinjer als auch Equilibrium auf 11Uhr gebucht. Naja, niemand hat gesagt, dass das hier alles Spaß bringt. Also hoch, Zähneputzen, Dixie besuchen, Kiezmische einpacken und auf den langen Marsch. Unterwegs noch das bayerische Einhorn einsammeln und ab dafür. Tatsächlich war ich neugierig auf Jinjer, hat deren Sängerin Tatiana doch eine der abgefahrensten Stimmen in der aktuellen Bandlandschaft. Dorch nach zwei Songs war uns klar, dass wir nicht allzu große Lust auf ihre eher melancholischen Songs hatten und wir gaben Robse und der Band Equilibrium den Vorzug. Sowohl das Einhorn als auch ich kannten die Band noch aus ihrer Frühzeit mit dem damaligen Sänger Helge und wir beide hatten Sorge, dass das neue Material des aktuell kurz vor Veröffentlichung stehenden Albums „Renegades“ nicht den alten Charme der Songs würde halten können. Das war aber alles egal, denn die Band hatte sich ein Set zurecht gelegt, welches viele alte Klassiker, darunter auch „Blut im Auge“ enthielt und einfach alles wegfegte. Robse hatte mit seinen gewohnt klaren Anweisungen das vielköpfige Publikum vor der Bühne gut im Griff („Klatscht!“, „Schreit!“, „Springt!“, „SAUFT!“) und gab uns am Ende noch wertvolle Hinweise, wie mit vollgeschissenen Dixies zu verfahren sei.

Wacken-Schädel mit XXX Logo. Außerdem zu sehen: Robse-Schädel von Equilibrium

Nachdem sich der Staub dieses Tagesauftakts gelegt hatte, knallte es einmal ganz heftig und Queensryche enterten die Harder-Stage. Zuvor eine der größeren Acts auf dem ein Wochenende vor dem WOA ganz in der Nähe stattfindenden Headbangers Open Air, ist es schon gute Tradition, dass diese den Wacken Freitag miteröffnen. Ich kenne mich im klassischen Metal nicht so gut aus, aber es ist zu erwarten, dass Queensryche irgendein Metal-Subgenre erfunden hat wenn nicht gar, wie die Gitarre richtig zu halten ist. Nach kurzer Pipi-Pause sollte es dann mit den Schweizern Eluveitie weitergehen. Da die Menge vor der Faster-Stage zwar zahlreich aber locker stehend war, gelang es uns, uns recht zentral vor der Bühne zu platzieren und BÄM! Die neun (!) Damen und Herren ballerten los was das Zeug hielt. Nach den letzten personellen Wechseln hat die Gruppe meiner Meinung nach eine Zusammensetzung, die alles von wirklich bösen blackmetalartigen Klängen bis zu sehr charttauglichen Groovemetalsongs alles erlaubt. Seit 2017 hat neben dem Hauptsänger Chrigel auch Fabienne eigene Songs mit weiblicher Leadstimme erhalten, sodass im Set wahnsinnig viel Abwechslung steckt. Leider wurde das Konzert aufgrund einer Unwetterwarnung vorzeitig unterbrochen – sehr schade! Gerüchte besagen, dass die Doublebass von Eluveitie so stark gedrückt hat, dass der Wetterdienst dies für ein Unwetter gehalten hat…

Fabienne von Eluveitie

Aufgrund des anstrengenden Vortags war diese Unterbrechung – alle Gäste wurden aufgefordert das Bühnengelände in Richtung Zeltplätze zu verlassen, bis die Unwetterwarnung aufgehoben werde – gar nicht so unwillkommen. So konnte sitzenderweise das eine oder andere Kaltgetränk im Lager verhaftet und ein bisschen geschnackt werden. Das Unwetter verfehlte Wacken übrigens. Außer einer guten Stunde gemütlichen Landregens ist nix passiert. Frisch gestärkt dann auf zu Santiano. Sie sehen es zwar ein, dass sie irgendwie etwas neben der Spur beim Wacken Open Air fahren („Hey Leute, immer wenn wir in Wacken sind fühlt es sich so an, wie mit einem Messer zu ner Schießerei zu kommen!“) aber egal – der KaLeu kann trotzdem jeden Song mitgröhlen… Darüber hinaus wuchs die Gruppe durch einige Neuankömmlinge weiter an und zog anschließend weiter zu Within Temptation. Da ich wusste, dass die Holländer um ihre Frontfrau Sharon den Adel live absolut über alle Zweifel erhaben sind, habe ich einiges erwartet und wurde nicht enttäuscht. Aber ne Band, die auch schon über 20 Jahre im Geschäft ist, hat’s halt auch drauf, vor allem, wenn die Frontfrau einen Überspitzentag erwischt, jeden Ton trifft und alle Anwesenden um den Finger wickelt.

Within Temptation

Nach WT dann ein weiteres ganz großes Highlight dieses Jahres: Demons & Wizards. Das Nebenprojekt von Hansi Kürsch (Sänger bei Blind Guardian) und Iced Earth Gitarrist Jon Schaffer verbindet das beste dieser beiden Bands, die jede für sich schon Wacken begeistert haben. Und bei diesem Konzert kulminierte tatsächlich alles: sehr guter Platz zum Sehen und Hören, alle Mannen und Mädels an Bord, alle in großartiger Stimmung und legendäre Songs, die von tausenden abgefeiert wurden! Unbeschreiblich gut! Vielleicht ist mir irgendwann mal etwas ins Auge geflogen – oder es war wirklich so emotional!

Demons & Wizards

Der erneut großartige Tag erlebte dann seinen Ausklang bei Met, etwas Futter und den sphärisch dunklen Klängen der chinesischen Zuriaake beim Met-Schiff vor der Wackinger Bühne. Ach ja, der Spaziergang zum fernen Campingplatz R7 fand natürlich auch wieder statt. Diesmal ohne Eisbär. Dafür konnte ich dort noch mit einigen Mitbewohner*innen meines eigentlichen Camps ein Bierchen trinken und über die bisherigen Erlebnisse quatschen. Dann: Schlafen!

Am nächsten Morgen kommt leichte Melancholie auf – es ist der letzte Festivaltag! Allerdings spürt man auch jeden Knochen, gut, dass die Leber keine hat. Nach dem Ausschlafen bis kurz vor zehn Uhr und der üblichen, spartanischen Morgentoilette (das meiste davon spielt sich wieder auf dem Dixie ab) geht’s wieder ab auf den langen Marsch. Kurz die liebgewonnene Partycrew abgeholt geht es auf zu Die Kassierer. Wer noch nicht weiß, was ihn da erwartet erhält eine erste Vorahnung, wenn man sich die Menschenmassen ansieht, die gegen halb 12 zum Bühnengelände strömen. Darunter sind immer wieder einige eindeutige Kassierer-Kenner zu sehen. Diese zeichnen sich meist durch ihre Kleiderwahl (Keine Hose, kein Problem!) aus. Die Kassierer, die doch tatsächlich die große Faster-Stage bespielen feuern gewohnt skuril ihre Gassenhauer in die zum Teil nackte Menge, „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“ wird genauso gern mitgegröhlt wie „Blumenkohl am Pillemann“, auch „Sex mit dem Sozialarbeiter“ oder der Song für alle Studenten, „Außenbordmotor“ kamen gut an. In Bezug auf „Arbeit ist Scheiße“ waren sich auch viele einig. Das Wölfi Wendland und viele seiner Bandkollegen Akademiker sind, merkte man nur durch die wohl durchdachten Ansagen.

Die Kassierer

Weil es irgendwann nicht mehr ging, gingen wir. Und zwar zur Headbangers-Stage im großen Zelt, denn dort spielte Suidakra auf. Eine der geilsten Livebands die ich kenne, die seit knapp 25 Jahren zusammen spielt und nie so richtig groß geworden ist. Das macht aber auch nichts, denn anders als z.B. bei Sabaton hat man so auch die Chance ohne Stress nah ran zu kommen. Die Band erfüllte alle Erwartungen und brachte die Fans im Bullhead-City-Zelt zu toben, springen und ausrasten! Obwohl so lange unterwegs merkte man auch der Band die große Spielfreude an, die sie ohnehin mitbrachte, die aber auch durch die tolle Publikumsreaktion verstärkt wurde.

Suidakra

Der Abschied von dieser Band fällt immer etwas schwer, denn es gibt eigentlich keinen „Kack-Song“, zu dem man gut gehen könnte. Naja, nachdem wir uns einen Ruck gegeben haben, ging es dann weiter auf der Harder-Stage zu Subway to Sally. StS ist ja mit dem Wacken Open Air quasi verwachsen. Ich weiß nicht, ob es je ein Jahr gab, wo diese Band oder zumindest Frontmann Eric Fish nicht aufgetreten sind! Egal, trotz fast 30 Jahren auf dem Buckel können sie es auch einfach immer noch. Sowohl das alte „Veitstanz“ als auch neue Songs wie „Alles was das Herz will“ gehen ab. Einzig der „Schrei“ ist meiner Meinung nach etwas schlecht gealtert und nervt mich zunehmend. Gleich nebenan ging es dann mit Battle Beast weiter. Nach einem im vergangenen Jahr etwas durchwachsenen Auftritt beim Rockharz Festival (vermutlich war damals der Wind schuld, dass es nicht so richtig zündete) war die Band und ihre Front-Röhre Noora heute aber richtig gut drauf. Vielleicht wollten sie beweisen, dass sie zurecht zum Beginn ihrer Karriere an selber Stelle den Wacken-Metal-Battle Wettbewerb gewonnen haben?

Battle Beast

Nach Battle Beast besuchten wir nach einem Schlenker bei der Wasserstation – es war wieder sehr sommerlich und außerdem rückt die Rückreise ja leider immer näher – ging es wieder ins Zelt zu The Vintage Caravan. Da das Zelt mittlerweile so groß ist, dass es selten richtig voll wird, hat es neben den Musikacts auch große Anziehungskraft als schattiger Ort zur Erholung. So lagen im hinteren Bereich doch recht viele Menschen auf dem Boden und lauschten dem Classic/Psych/Progrock Gemisch der Isländer – oder machten bei 100dB ein Nickerchen. Beim Wacken Open Air geht das! Da uns aber der Hunger plagte, verließen wir das Zelt, nach dem wunderbaren „On the Run“. Futter gab es dann letztendlich im Camp reichlich, da der Kaufland-Supermarkt sein Grillfleischsortiment nicht wieder mit nach Hause nehmen wollte und daher den großen Rotstift angesetzt hat. Gleichzeitig war damit auch Zeit die Akkus etwas aufzutanken und schnell mal den Dreck unter der luxoriösen Campingdusche abzuspülen. Außerdem konnte schon mal das riesige Zelt auf R7 zusammengepackt werden. Danke nochmal für eure zusätzliche Hilfe Andi und Poppi!!! Mit Ziel Powerwolf hörten wir dann noch die letzten Songs von Bullet For My Valentine. Ich weiß gar nicht so genau was mich an der Band stört, aber irgendwie werden wir nicht warm. Warm wurde es dann aber bei schon genannten Powerwolf. Diese feierten die gewohnt technisch brilliante Metalmesse auf der Faster-Stage und begeisterten ein riesiges Heer Fans! Zum zweiten Mal nach Demons & Wizards muss mir bei dem Song „Where the Wild Wolves Have Gone“ irgendwas ins Auge gekommen sein – hat aber keiner gemerkt!

Ekstase bei Powerwolf

Schon am Nachmittag machte die Information die Runde, dass nach dem Powerwolf-Konzert noch eine besondere Überraschung auf die Fans warten würde. Gemeint war eine Lasershow, verbunden mit einem Gitarren-Solo von Matt Heafy (Trivium) und einer Mega-Feuershow im Infield, die Sir Henry Hot ziemlich kalt wirken ließ. Das Ganze war das Rahmenprogramm dafür, die vergangenen Wackenjahrzehnte Revue passieren zu lassen und den Fans den Mund wässrig zu machen für das Wacken 2020! Spannend wird, dass das 31. WOA erstmalig einen thematischen Bezug haben wird: Südamerika. Die ersten Bands für das kommende Jahr wurden auch schon vorgestellt, z.B. At The Gates, Amon Amarth und Judas Priest sind schon bestätigt.

Lasershow

Auch danach war es aber noch lange nicht vorbei. Parkway Drive enterten die Bühne. Eine Band, die tatsächlich die letzten Jahre irgendwie an mir vorbei ging, die mich aber dann vollends wegblies! Nicht nur die reine Musik, auch die sympathische Ergriffenheit ob der gigantischen Fanmasse vor der Bühne die Sänger Winston McCall rüberbrachte erweichten mein Herz. Trotzdem machten wir uns vorzeitig auf den Weg, weil ich gern noch Crematory auf der History-Stage sehen wollte. Crematory, die bereits bei meinem ersten Wacken 2001 von ihrer Auflösung sprachen! Das war aber ein Satz mit X, denn der Einlass zur Stage war bereits wegen Überfüllung geschlossen. Schade! Aber was geht immer in solchen Fällen – klaro: Essen! Während noch Parkway Drive weiter die Harder-Stage zu Staub zerlegten trafen wir uns zum letzten Act nochmal alle zusammen: Eisbrecher. Aber zuvor hieß es viel zu früh Abschied nehmen, denn das großartige Einhorn aus dem Allgäu musste die Heimreise antreten. Traurig, dass es nun schon so weit war, waren wir uns alle aber sicher, dass es nicht das letzte Mal war, dass wir gemeinsam eine Wahnsinns-Zeit hatten! Danke!!! Nachdem nebenan die Harder-Stage zum Abschluss des Parway Drive Auftritts folgerichtig explodierte, gab es direkt Abkühlung bei Alex Wesselskys Eisbrecher.

Parway Drive haben fertig.

Und was soll man sagen: obwohl die Luft bei uns nun schon echt fast raus war – auch Eisbrecher haben richtig abgeliefert und nochmal letzte Energien rausgekitzelt. Neben dem noch aus Alex‘ Megaherz-Zeiten stammenden „Miststück“ fand ich besonders das kurze Clawfinger Cover „Nigga“ geil! Der Text geht auch nach 4 Tagen Vollgas immer noch flüssig.

Eisbrecher

Und das wars dann. Na klar, Spaziergang, Schlafen. Und dann Abbau am Sonntag und ein tolles gemeinsames Frühstück. Und dann hieß es Abschied nehmen. Und was soll ich sagen: ich habe mich noch nie (!) in einem Camp so schamlos reinschmarotzt wie in diesem Jahr und mich dabei so unfassbar willkommen gefühlt! Dabei habe ich Freunde, die ich dachte schon gekannt zu haben, noch viel besser kennen und lieben gelernt und neue Freunde dazu gewonnen. Ihr Lieben, es war mir wirklich ein Fest und ich danke euch von ganzem Herzen für das tolle Wochenende! Auch all die anderen lieben Freunde, die ich nur ganz kurz oder etwas länger während des Festivals irgendwo getroffen habe, machen dieses Wacken Open Air 2019 für mich zu einer ganz besonderen Erinnerung!

Ich liebe Euch und ich liebe diese Scheiße!!!

1 Antwort zu “XXX. Wacken Open Air 2019”

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