Will ich ein Veteran sein?

Am vergangenen Samstag war „Tag der Bundeswehr“. In diesem Rahmen überreichte die Verteidigungsministerin in Faßberg die ersten Veteranenabzeichen an einige anwesende Soldat*innen.

Laut Tagesbefehl der Ministerin ist der zugrunde liegende Veteranenbegriff so definiert:

Veteranin oder Veteran der Bundeswehr ist, wer als Soldatin oder Soldat der Bundeswehr im aktiven Dienst steht oder aus diesem Dienstverhältnis ehrenhaft ausgeschieden ist, also den Dienstgrad nicht verloren hat.

Bundesministerin der Verteidigung: Tagesbefehl zum Veteranenbegriff, 26.11.2018

Das ist sehr weit gefasst – wie das Ministerium verlauten lässt, bewusst weit. Der Stellvertretende Generalinspekteur Admiral Rühe sagte, damit wären gut 9,5 Millionen Menschen in Deutschland Veteranen oder Veteraninnen.

Ursprünglich fällt die Diskussion, ob es eine entsprechende Anerkennung geben solle noch in die Amtszeit des Amtvorgängers von Frau von der Leyen. Thomas de Maiziere hatte 2012 diese Definition vorgeschlagen:

Veteran ist, wer ehrenvoll aus dem aktiven Dienst der Bundeswehr entlassen worden ist und (…) an mindestens einem Einsatz (…) für humanitäre oder friedenserhaltene oder friedensschaffende Maßnahmen teilgenommen hat.

Ehem. Bundesminister der Verteidigung T. de Maizière in einer Rede 2012 – dokumentiert bei augengeradeaus.net

Die Frage, ob so etwas überhaupt nötig ist und falls ja die Benennung und die Form einer solchen Anerkennung dürfte sehr unterschiedlich beantwortet werden. Ungediente, Wehrpflichtige, Freiwillige, Zeit- und Berufssoldat*innen jeweils mit oder ohne Einsatzerfahrung unterschiedlicher Ausprägung werden vermutlich jede*r für sich anders urteilen. Letztendlich wollte es das Ministerium wohl allen Recht machen, indem die weitest mögliche Definition gewählt wurde.

Soweit die Vorgeschichte, zurück zur Ausgangsfrage. Um diese zu beantworten, muss ich zunächst mein Verständnis vom Wort „Veteran“ umreißen. Ohne hier die gängigen Definitionen herzuleiten ist ein*e Veteran*in für mich eine Soldat*in, der/die Kampf- oder Kriegserfahrung besitzt. Zudem muss eine Veteran*in für mich ein Vorbild als „Staatsbürger*in in Uniform“ sein – nicht nur ein*e hervorragende*r Soldat*in. Eine Soldatin, die ihre Dienstzeit durchgängig bei Bundeswehr-TV oder vergleichbar in der PR der Bundeswehr verbracht hat, oder ein Soldat, der als Wehrdienstleistender Fahrer des Kommandeurs war – ich würde beide nicht als Veteran*in bezeichnen.

Ich habe 13 Jahre in der Bundeswehr Dienst geleistet, nahm an Auslandseinsätzen teil, stand mit Helm, Splitterschutzweste und geladener Waffe auch auf ausländischem Boden und wäre vermutlich bereit gewesen, diese im Extremfall einzusetzen. Vielleicht war ich auch, als Angehöriger der deutschen Streitkräfte im Ausland erkennbar, schon einmal in besonderer Gefahr. Aber: es ist nichts passiert – zum Glück! Ich empfinde mich daher nicht als Veteran. Mein Verständnis des Begriffs lässt sich wohl am ehesten mit dem anglo-amerikanischen „Combat-Veteran“ gleichsetzen.

Insgesamt verstehe ich, was die Idee des Veteranenabzeichens ist und ich finde sie auch in Ordnung. Einen Beitrag zu leisten, dass Soldat*innen für ihre geleisteten Dienste Anerkennung finden. Ich bezweifele aber, dass das mit einer Brosche erreicht wird. Es ist und bleibt eine gesellschaftliche Frage und ich glaube, in Deutschland müssen wir uns damit abfinden, dass es sowohl krasse Ablehnung wie auch Zustimmung zur Bundeswehr als Organisation gibt, aber auch gegenüber (ehemaligen) Soldat*innen. Ich habe aber zudem das Gefühl, dass das Veteranenabzeichen, wie ich es nun beschrieben habe, weder innerhalb noch außerhalb der Bundeswehr sonderlich Ansehen finden wird. Ich hätte mir gewünscht, dass es gerne für diesen großen Personenkreis zugänglich wäre, aber „Dienstabzeichen“ oder so geheißen hätte. Von mir aus auch „Soldaten/ Soldatinnen-Abzeichen“. Gerne können von mir aus Menschen in der Öffentlichkeit zeigen, dass sie Soldat*in sind oder es waren. Aber Veteran*innen können für mich in der Bundesrepublik keine 9,5 Millionen Menschen sein.

Diskussion? Feuer frei! Ich freu mich auch auf andere Meinungen.    

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