Das Kapital schlägt zurück!

Das Interview des JuSo-Vorsitzenden Kevin Kühnert, welches er mit zwei Journalisten der ZEIT geführt hat, hat zu viel Kritik geführt.

Der SPD-Genosse Johannes Kahrs fragte auf Twitter „was hat der geraucht?“ und bescheinigt „groben unfug“. (Mein Smartphone schreibt im Übrigen zumindest alle Satzanfänge groß. Sicherlich kann man das abstellen, aber warum sollte man?) Bei der Feststellung Kahrs‘, dass Kühnert „BMW verstaatlichen“ wolle, kann dieser zwar wieder Groß- und Kleinschreibung auseinander halten, allerdings fehlt entscheidendes: In dem Interview ist nicht zu lesen, dass BMW ein Staatsbetrieb werden soll.

Laut dem wohl besten und zukunftsorientiertesten Verkehrsminister, den die Bundesrepublik je haben durfte, seien Kühnerts Überlegungen „verschrobene, rückwärtsgewandte Weltbildfantasien“. Er sei ein „Fantast“, dem „nicht mehr zu helfen sei“. Wer? Hä…? Na, Kühnert.

Auch Siggi Gabriel, der nicht nur mit Kühnert sondern offenbar mit der gesamten SPD seine Probleme hat und seit seinem Rückzug aus der Führungsriege der Partei dieser in etwa so viel hilft wie der Palmer den Grünen, keilt aus und findet bei Kühnert die Methode Trump am Werk. „Nur der mediale Effekt und das eigene Ego sind wichtig“, so der Ehrenbürger Goslars.

Doch was ist all diesen und vielen weiteren nicht genannten Beispielen gemein? Es geht nicht um die Sache, es geht darum, Kevin Kühnert als Person zu diskreditieren. Warum? Vielleicht fehlen inhaltliche Argumente?

Lars Klingbeil, der Generalsekretär der SPD, der Kühnert im Feburar 2018 noch für besondere Verdienste an der Partei mit dem roten SPD-Toaster ausgezeichnet hat, stellte in Bezug auf Kühnerts Interview klar, dass es sich dabei nicht um Forderungen der Partei handele. Nun, das Hamburger Programm, so nennt die SPD ihr 2007 gefasstes Grundsatzprogramm sagt dazu: „Der demokratische Sozialismus bleibt für uns die Vision einer freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft, deren Verwirklichung für uns eine dauernde Aufgabe ist.“ Jetzt alle im Chor: ♪ Wer hat uns verraten….

Doch nachdem sich der Staub ein wenig gelegt hat, der durch die Reflexbeißer aufgewirbelt wurde, bleibt glücklicherweise das, was Kevin Kühnert wohl auch beabsichtigt hat: der Beginn einer inhaltlichen Diskussion. Worum es dabei geht und warum es wohl ein sehr dickes Brett zu bohren ist, bevor wir einen wirklichen Diskurs darüber führen können, wohin sich unsere Gesellschaft in Zukunft bewegen wird fasst wundervoll der kluge Nils Minkmar im Spiegel zusammen.